Das Equine Sarkoid (ES) ist der häufigste Hauttumor beim Pferd. Obwohl er nicht metastasiert und eher zu den gutartigen Tumoren gehört, kann er bei ungünstiger Lokalisation, z.B. Sattellage, zur Unbrauchbarkeit des Pferdes führen. Verursacher ist vermutlich das Bovine Papillomavirus. Es gibt verschiedene Therapieverfahren: Chirurgie, Lasertherapie, Chemotherapie, Elektrokauterisation, Kryotherapie, und Salbenbehandlung. Die Prognose ist auf jeden Fall unsicher, da die Rezidivrate sehr hoch ist. Seit etwa einem Jahr betreue ich eine Reitschule und untersuche die Pferde in regelmäßigen Abständen und schaue, ob sich irgendwelche Defizite ankündigen. Das bedeutet, dass ich komme bevor sie krank werden bzw. sorge dafür, dass sie gesund bleiben. Tatsächlich ist während dieser Zeit keines der neun Pferde krank geworden. Ich möchte Ihnen hier den Fall der 15 Jahre alten Stute Marie schildern. Sie wurde mir mit einem etwa kirschgroßen Equinen Sarkoid am rechten lateralen Augenwinkel vorgestellt.

Ihre Erkrankung wurde bis dahin noch nicht behandelt. Ich betreibe zwar eine Kleintierpraxis, behandele aber auch regelmäßig Pferde. Bei ihnen wende ich allerdings ausschließlich die Methoden der Ganzheitlichen Tiermedizin an. Das heißt, hauptsächlich Akupunktur, Neuraltherapie und Homöopathie. In diesem Fall habe ich mich aufgrund der Lokalisation des Tumors und, weil ich damit bei Pferden die besten Erfahrungen gemacht habe, für die Akupunktur über den Kontrollzyklus entschieden. Dieses Therapieverfahren fußt auf der Kenntnis der alten Chinesischen Medizin mit den fünf Wandlungsphasen und der Akupunktur- und Meridianlehre. Das Wissensgebiet ist so groß, dass ich hier nur sehr oberflächlich darauf eingehen kann. Das Wichtigste, um eine erfolgreiche Therapie zu starten, ist heraus zu finden, wo die ursächliche Schwäche liegt. Denn nicht das Symptom muss behandelt werden, sondern das Defizit. Der Sheng-, oder Mutter-Sohn-Zyklus ist ein stärkender, generativer oder kreativer Prozess. Jede Mutterphase stärkt, ernährt oder stimuliert ihre Sohnphase. Jeder Sohn erhält sein Qi von der Mutter. Der Sheng-Zyklus beeinflusst die jeweils folgende Phase im Uhrzeigersinn:

Der Ko - Zyklus ist ein Kontrollinstrument. Jede Ko-Vaterphase kontrolliert seine Sohnphase. Das Qi des Sohnes wird vom Vater kontrolliert.

Wie wir später sehen werden, ist es für die Therapie von enormer Bedeutung, zu wissen, welche Meridiane welchen der fünf Elemente zugeordnet sind.

Feuer Dünndarm/3-fach Erwärmer/Pericard/Herz
Erde Magen/Milz/Pankreas
Metall Dickdarm/Lunge
Wasser Blase/Niere
Holz Gallenblase/Leber

 

Dieses Gesetz besagt, dass, wo auch immer ein Exzess, Schmerz oder Symptom vorhanden ist, auch irgendwo ein Mangel sein muss. Der normale Arzt behandelt die Symptome, der gute Arzt den Exzess und der hervorragende Arzt das tiefer liegende Defizit. Das möchte ich am Beispiel einer Leberentzündung erläutern. Der normale Arzt gibt Antibiotika, Schmerzmittel und Cortison. Der gute Arzt, z.B. ein Neuraltherapeut findet die schmerzhaften Shu-, oder Zustimmungspunkte auf dem Gallenblasenmeridian beiderseits der Wirbelsäule und injiziert dort 1%iges Procain. Das hilft meist sehr schnell, ist aber nicht unbedingt von langer Dauerst. Der sehr erfahrene Arzt sieht, dass der Exzess ( Symptom ) auf dem Lebermeridian ( Holz ) liegt. Damit ist die eigentliche Ursache eine Schwäche in dem Kontrollzyklus Metall und wird daher z.B. über die Akupunkturpunkte Dickdarm 1, oder Lunge 1 genadelt. Diese Vorgehensweise lässt sich im Grunde genommen auf alle Krankheiten anwenden, auch auf die Krebstherapie. Hier spielt der Kontrollprozess eine besonders wichtige Rolle. Denn wenn diese Kontrolle nicht richtig funktioniert, nimmt der Wachstumsprozess der befallenen Zellen überhand und Krebs kann entstehen. Es gibt viele Möglichkeiten für das Versagen der Kontrolle. Zum Beispiel: Schock, Lärm, Stress, elektromagnetische Strahlung, Umweltverschmutzung usw.. Das Ziel der Ganzheitlichen Tiermedizin ist, die geschwächten Kontrollprozesse des Körpers zu stimulieren und dadurch die gestörten Stoffwechselfunktionen zu regulieren. Dazu ist der Ko-Zyklus am besten geeignet.

Dieser liegt auf dem Magenmeridian. Dieses Meridian dürfen wir auf keinen Fall stimulieren, sondern nur seinen Ko-Vater das Lebermeridian. Während der Behandlungsdauer sollte kein anderer Kanal stimuliert werden. Es ist aber möglich, die Akupunktur mit anderen Therapien zu kombinieren, um die Leber zu stimulieren.

Das Equine Sarkoid dieses Pferdes liegt genau auf dem AP - Punkt Gallenblase 1.

Wie wir oben gesehen haben, gehört das Meridian Gallenblase zur Wandlungsphase Holz. Im Ko-Zyklus ist dessen Ko-Vater die Metallphase mit den Meridianen Lunge und Dickdarm. Nach Are Thoresen, von dem ich dies übrigens gelernt habe, nadelt man beim Pferd am besten den zugehörigen Tingpunkt. Die Tingpunkte Dickdarm1 und Lunge 1 (Metall) liegen auf der mediale Seite des Kronsaums. Alle 12 Meridiane enden in den Tingpunkten auf dem Kronsaum. Sie eignen sich hervorragend dazu, herauszufinden, welche Meridiane gestört sind. Bei der Untersuchung gleitet der Daumen mit etwas Druck rund um den Huf, etwa 1,5 cm über dem Kronrand. An reaktiven Punkten fühlt sich die Haut dünner, kühler, oder auch schwammiger an, was an der veränderten Blutzirkulation liegt. In chronischen Fällen ist auch das Wachstum des Hufhorns verändert. Wenn man den Huf kranial in der Mitte mit 0 Grad kennzeichnet, und mit dem Untersuchungsfinger am rechten Huf 245 Grad im Uhrzeigersinn entlang streicht, dann finden Sie dort Lunge 1 und bei 305 Grad Dickdarm 1. Am linken Huf ist es gegen den Uhrzeigersinn.

Bei der ersten Behandlung habe ich beide Punkte genadelt, danach nur Dickdarm 1, da Lunge 1 nicht mehr verändert war. Diese Behandlung habe ich über den Zeitraum von 3 Monaten alle zwei Wochen durchgeführt. Interessanterweise trat die erste spürbare Veränderung erst nach 8 Wochen auf, dann ging es aber schnell aufwärts.

Im Dezember, also nach etwa 3 Monaten, war bis auf den dunklen Ring fast nichts mehr zu sehen, und vor allem auch nichts mehr zu fühlen.

Es handelt sich dabei um ein faszinierendes , schmerz- und nebenwirkungsfreies Therapieverfahren, das zu dem noch preiswert ist, da weder Medikamente noch medizinische Geräte benötigt werden. Damit ist der erste Schritt getan. Der Tumor ist verschwunden, aber nicht seine Information. Die Rezidivgefahr besteht natürlich immer noch. Solange ich allerdings das Pferd weiterhin in regelmäßigen Abständen kontrolliere, sehe ich keine große Gefahr eines Rückfalls. Positiven Einfluss auf die Gesundheit haben auch die sehr guten Haltungsbedingungen, unter welchen diese Pferde leben. Sie leben ganzjährig draußen. Der einzige überdachte Bereich ist der Futterplatz.

Außerdem trägt keines dieser Pferde Hufeisen. Die Besitzerin hat die Ausbildung zur Hufheilpraktikerin nach Strasser absolviert und kümmert sich selber um die Hufgesundheit ihrer Tiere. Ich habe noch nie eine so zufriedene und ausgeglichene Pferdgemeinschaft erlebt- keine Ängste, keine Aggressionen. Es ist einfach schön, mit diesen Tieren zu arbeiten.