1998 habe ich den sechsmonatigen Kurs für Neuraltherapie bei der Deutschen Gesellschaft für Akupunktur und Neuraltherapie besucht. Alle drei Therapieverfahren setzten die Mitarbeit bzw. Regenerationsfähigkeit des gestörten Organismus voraus. Wenn keine Regulationsreserven mehr vorhanden sind, ist keine Heilung möglich. Da man das aber vorher nicht weiß, sollte immer ein Heilungsversuch unternommen werden. Es ist durchaus möglich, dass ein z.B. gelähmter Patient nach mehreren Monaten das Laufen wieder erlernt.

Bei der Akupunktur werden die erkrankten Organe in der Regel über die Meridiane (Energiebahnen) und die dazu gehörigen Punkte mit Nadel, Schwachstrom, Homöopathika oder Gold stimuliert.

Die Goldakupunktur wird mittlerweile häufig und mit Erfolg eingesetzt, vor allem bei Arthrose, Hüftgelenksdysplasie und Spondylose. Hier werden kleine Stückchen Golddraht in 2 oder 3 ausgewählte Akupunkturpunkte implantiert, welche ich vorher über den Hautwiderstand messen kann. Die Goldakupunktur kann man einsetzen bevor eine Operation in Erwägung gezogen wird. Es handelt sich dabei um eine effektive und schonende Behandlung, die in vielen Fällen auch ohne Narkose möglich ist.

Eine weitere faszinierende Therapieform ist die YNSA, Yamamotos neue Schädelakupunktur. So neu ist sie jedoch auch nicht mehr, denn Yamamoto hat sie vor etwa 60 Jahrenentdeckt. Die Diagnostik erfolgt hier über Punkte am Hals und die Therapie über Akupunkturpunkte am Kopf.

Seit etwa 2 Jahren übertrage ich die YNSA auf Tiere und wie in der Humanmedizin, ist diese Therapieform besonders bei Patienten erfolgreich, die einen Schlaganfall erlitten haben.

Bei der Neuraltherapie werden die entsprechenden Ganglien (Nervenknoten vergleichbar mit Schaltrelais für die Organe), oder die auffälligen Rückensegmente mittels eines Lokalanästhetikums, in der Regel Procain 1%, infiltriert. Die pathogene Information wird blockiert und anschließend kann durch die gesteigerte Durchblutung die Entschlackung und Reperaturphase beginnen.

Das Prinzip der Homöopathie ist Samuel Hahnemanns Ausspruch: „Similia similibus curentur“, d. h. Gleiches mit Gleichem heilen. Die Selbstheilungskräfte des Körpers werden aktiviert, in dem ihm das Mittel hochverdünnt zuführt wird, das die gleichen Symptome seiner Krankheit verursachen würde.

Vor jeder Behandlung steht eine sorgfältige Untersuchung. Das Faszinierende bei der Ganzheitlichen Medizin, so wie ich sie erlernt habe, ist, dass sich mit zunehmender Erfahrung auch die Untersuchungsweise ändert. Ich untersuche hauptsächlich mit Auge, Nase und Fingerspitzen, weil sich viele Krankheiten in Haut- oder Haarveränderungen bemerkbar machen.
Die zu den gestörten Organen zugehörigen Hautareale, Segmente oder Headsche Zonen sind dort wärmer, kälter, empfindlicher oder geschwollen. Diese Zonen liegen auf der Wirbelsäule. Durch sorgfältiges Abtasten kann ich Organstörungen finden, oft schon bevor sie labortechnisch messbar sind.
Auch Bandscheibenvorfälle (von mir Hexenschuss genannt, weil es sich nicht so schlimm anhört) werden so diagnostiziert und mit Procain behandelt. Es ist mindestens 10 Jahre her, dass ich so einen Patienten zur OP überweisen musste oder dass er gelähmt blieb. Aber auch hier muss man den ganzen Organismus betrachten und daran denken, dass die Ursache häufig organischen Ursprungs ist (Leber, Niere, Uterus, Eierstöcke usw.). Schon vor vielen Jahren ist mir aufgefallen, dass Dackeldamen ihre Rückenprobleme während der Läufigkeit oder der Scheinträchtigkeit bekamen. Wer diese Zusammenhänge beachtet, kann immer eine gute Prognose stellen. So konnte ich häufig auch scheinbar aussichtslose Fälle heilen bzw. verbessern. Voraussetzung sind kooperative Besitzer, da sich manche Behandlungen mit wachsenden Abständen über Wochen und Monate hinziehen können.
Mittlerweile habe ich viele Kunden, die weite Anfahrtswege auf sich nehmen (Köln, Bonn, Eifel, Düsseldorf, Frankfurt etc.). Ein Ehepaar kam sogar extra aus Berlin angereist. Sie kommen gerne alle 2-3 Monate, um ihr Tier ein wenig auffrischen zu lassen. Besonders den geriatrischen (alten) Patienten, tut eine Akupunktur-Neuraltherapie immer gut.

Hüftgelenksdysplasie und Hüftgelenksdenervation

Eine große Anzahl von Hunden leidet an einer schmerzhaften Fehlbildung der Hüftgelenke, genannt Hüftgelenksdysplasie (HD). Bis etwa 1997 gab es als Therapiemaßnahme nur die sehr teure und belastende Implantation neuer Hüftgelenke, lebenslange Einnahme von Schmerzmittel, das Entfernen der betroffenen Oberschenkelköpfe oder als letzte Maßnahme die Euthanasie. 1997 habe ich den ersten Kurs im Klinikum Aachen, unter der Leitung von Prof. Küpper, belegt und wende diese Methode seitdem mit unveränderter Begeisterung an. Allerdings erst, wenn die oben besprochenen Behandlungsmethoden nicht helfen. Bei diesem recht kompliziertem Eingriff wird nicht am Knochen oder Gelenk operiert, sondern es werden die Nerven aufgesucht und durchtrennt, welche die Schmerzinformation leiten. Für die Hunde ist dieser Eingriff kaum schmerzhaft und wenig belastend, so dass sie schon unmittelbar nach der OP besser laufen als vorher. Die Erfolgsquote liegt bei 95%, außer bei Bobtails, wo sie nur bei 50% liegt. Man sagt, dass diese Krankheit genetisch bedingt sei, also vererbt wird. Das mag sein, aber auffallend ist, dass von den Patienten, die von mir vom Welpenalter an betreut werden, keiner Knochen-, Gelenk- oder Hüftprobleme bekommen hat. Und das allein durch intensive Beratung über die richtige Haltung und Fütterung, besonders in der Wachstumsphase.

Fallbeispiele hochgradiger Hüftgelenksdysplasie

Diese Patienten, von denen ich glücklicherweise digitalisierte Röntgenaufnahmen besitze, werden seit mindstens 2 Jahren von mir betreut. Die Hüftgelenke sind teilweise extrem deformiert und müssen daher große Schmerzen bereiten. Was auch so war. Die Implantation neuer Hüftgelenke war ihnen empfohlen worden. Glücklicherweise erfuhren sie noch kurz vor der geplanten Operation von meiner Ganzheitlichen Tiermedizin und wurden mit Neuraltherapie und Akupunktur beschwerdefrei. Damit das so bleibt kommen sie alle 6 - 12 Wochen zur Kontrolle und Nachbehandlung, auch wenn die Anfahrtswege teilweise eine Stunde und mehr betragen.